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Praktikumszeugnis: Das sollte im Zeugnis stehen

Praktikumszeugnis: Warum der Inhalt entscheidend ist

Ein Praktikum gilt oft als Einblick in eine bestimmte Branche, weil es die erste, echte Arbeitserfahrung ist für denjenigen, der das Praktikum absolviert. Es ist eine Chance, Erfahrungen zu sammeln und den Berufswunsch zu festigen – oder sogar einen Fuß in die Tür eines großen Unternehmens zu bekommen. Natürlich sollte die Leistung und die Anwesenheit des Praktikanten dementsprechend quittiert werden. Die Rede ist aber nicht vom Lohn, sondern vom Praktikumszeugnis, welches anschließend ausgestellt werden muss.




Nur so können Praktikanten nachweisen, dass sie erste Berufserfahrung gesammelt haben und sich in ihrem zukünftigen Tätigkeitsfeld schon ein bisschen auskennen. Leider wird die Erstellung des Praktikumszeugnisses von Unternehmen oft vernachlässigt. Da Praktikanten in den Augen der Arbeitgeber keine festen bzw. dauerhaften Arbeitnehmer sind, haben sie weniger Bedeutung. Das Zeugnis wird meistens kurz gehalten und wenig ausführlich geschrieben. Der Inhalt ist für einen Praktikant jedoch entscheidend. Ist darin nämlich beispielsweise zu finden, dass er sich stets vorbildlich verhalten hat und dank seiner Begeisterung eine große Hilfe für die Abteilung war, bringt ihm das bei zukünftigen Bewerbungen einen Vorteil. Je besser das Praktikumszeugnis ausfällt, desto höher sind die Chancen, im Leben danach den Traumjob zu ergattern. Im Umkehrschluss können negative Bewertungen im Praktikumszeugnis dazu führen, dass Personalverantwortliche von den Unterlagen Abstand nehmen, wenn es einer Bewerbung beiliegt. Die Aussicht auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ist dann dementsprechend dürftig. Von daher ist der Inhalt entscheidend. Am besten ist es, der Praktikant macht sich dies schon vor Beginn seines Praktikums bewusst und tut sich während der Praktikumszeit durch gute Leistungen hervor.

Bewertung

Bewertung ©iStockphoto/Wutlufaipy

Unterschied einfaches und qualifiziertes Praktikumszeugnis

Bei der Formulierung des Inhalts gibt es durchaus Unterschiede. So lässt sich das einfache vom qualifizierten Praktikumszeugnis unterscheiden. Handelt es sich um ein einfaches Praktikumszeugnis, dient dieses lediglich als Nachweis der Tätigkeit. Es gibt Auskunft über den Arbeitsinhalt, den Verantwortungsbereich und die Dauer des Praktikums. Allerdings sind darin keinerlei Bewertungen der Arbeitsleistung zu finden. Ein qualifiziertes Praktikumszeugnis hingegen ist ausführlicher und gibt Aufschluss über das Verhalten bzw. die Leistung des Praktikanten. Wie hat sich der Praktikant während der Arbeit angestellt? Wie war der Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten? War er stets pünktlich und motiviert? Das sind nur einige der Fragen, auf die ein qualifiziertes Praktikumszeugnis möglicherweise Antworten geben könnte. Sofern das Praktikum gut verlief, ist ein qualifiziertes Zeugnis natürlich wesentlich wertvoller, als ein normales. Deshalb sollte am Ende des Praktikums darum gebeten werden, ein solches Zeugnis auszustellen, falls es der Betrieb nicht schon von alleine angekündigt hat oder tut.

Form und Inhalt des Zeugnisses

Normalerweise ist ein Praktikumszeugnis nicht länger als eine DIN A4 Seite. Um dem Dokument offiziellen Charakter zu verleihen, sollte es auf Unternehmensbriefpapier gedruckt werden (so dass Logo und Unternehmen direkt erkennbar sind). Ist dies nicht der Fall und fehlt am Ende auch noch eine Unterschrift, könnte bei zukünftigen Bewerbungen leicht der Verdacht entstehen, der Bewerber hätte das Zeugnis selbst geschrieben.
Der Aufbau des Zeugnisses beginnt dann mit der Überschrift bzw. der Einleitung. Diese sollte die Stammdaten des Arbeitnehmers/Praktikanten und die Tätigkeit innerhalb des Betriebs beschreiben. Es muss deutlich daraus hervorgehen, was der Praktikant während seiner Zeit tagsüber gemacht hat und welchen Verantwortungsbereich er inne hatte – denn Praktika, bei denen nur Kaffee gekocht und kopiert wird, sollte es heutzutage eigentlich nicht mehr geben. Manche Unternehmen fügen zunächst auch ein kleines Unternehmensportrait ein, welches allgemein das Tätigkeitsfeld des Unternehmens beschreibt. Danach wird die Position des Praktikanten erläutert. Letzteres ist Pflicht und gehört sowohl zu einem einfachen als auch zu einem qualifizierten Praktikumszeugnis. Handelt es sich nun um einen qualifizierten Bericht, folgt jetzt die Beurteilung der Leistung und des Sozialverhaltens. Es könnten beispielsweise die Auffassungsgabe, die Leistungsbereitschaft und das Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten beschrieben werden. Natürlich sollte der Praktikumsbetrieb dabei fair und bei der Wahrheit bleiben.

Denn § 109 der Gewerbeordnung besagt:
„Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.“ Somit darf auch keine missverständliche oder zweideutige Sprache verwendet werden. Es ist dem Arbeitgeber auf Zeit jedoch gestattet, inhaltliche Teile wegzulassen – fehlt beispielsweise ein Satz zur Teamfähigkeit und dem guten Umgang mit Kollegen, ist dies kein gutes Zeichen. Wie bei richtigen Arbeitszeugnissen auch kann die Leistung des Praktikanten anhand von Zeugnissprache bewertet werden (z. B. „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ = Note 1). Daraufhin folgt der Schlussteil mit einer Schlussformel und Zukunftswünschen, die das Unternehmen ausspricht. Dem Praktikant wird viel Erfolg für den weiteren Werdegang gewünscht und für die Unterstützung gedankt. Abschließend sollten Unterschrift, Datum und Firmenstempel das Praktikumszeugnis signieren. Auch hier sind manche Unternehmen schlampig. Praktikanten sollten darauf beharren, dass das Zeugnis persönlich unterschrieben und mit einem Stempel der Firma quittiert ist. Je offizieller es aussieht, desto besser!

Praktikumszeugnis im Wunschformat

Viele Praktikumsbetriebe nehmen sich nicht die Zeit, ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen. Zum einen sind sie nicht mit der Situation des Praktikanten vertraut und wissen oft nicht um die Wichtigkeit, die solch ein Dokument für diesen haben kann. Zum anderen spielt Zeitmangel ebenfalls eine Rolle. Auch wenn Praktikanten keine tragende Rolle im Betrieb spielen, können sie dennoch Wünsche äußern und durchsetzen, dass sie ein vollständiges und ordnungsgemäßes Zeugnis ausgestellt bekommen.

Denn rechtlich gesehen besteht ein Anspruch darauf. Wenn der Inhalt nicht passen sollte, darf man ruhig den Mut haben, erneut auf den Betrieb zuzugehen und um Korrektur bzw. Anpassung der Formulierung bitten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, schon vorab den Vorgesetzten anzusprechen und zu fragen, wie das Zeugnis ausfallen wird (z. B. „Kann ich mit einer soliden Zwei rechnen…?“), um böse Überraschungen zu vermeiden. Ist das Praktikum beispielsweise Pflichtteil, der zum Studium gehört, kann darum gebeten werden, dass der Tätigkeitsbereich sehr ausführlich beschrieben wird, so dass der zu betreuende Dozent hinterher erkennt, dass sich Theorie und Praxis gut verknüpfen ließen und der Student das Praktikum treffend gewählt hat. Oft fehlt nur der Mut, relevante Dinge anzusprechen – somit liegt es immer ein bisschen beim Praktikant selbst, was für ein Zeugnis er am Ende letztendlich in der Hand hält, und was darin steht.

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